Marlos Kulturbeutel - Verlag für Besonderes



Selbstverlag von Marlotte Neumann in Berlin


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Marlotte Neumann. Unter Tage
Constanze Geißler

Abseits von Popliteratur und Science-Fiction-Romanen ist das Buch eine kleine literarische Kostbarkeit. Es schildert präzise das Leben im Deutschland der 50iger und 60iger Jahre. Weit vor der feministischen Bewegung und ihren Errungenschaften spielt der Roman von Marlotte Neumann - in einer Zeit, als Frauen noch ganz selbstverständlich "Bürokaufmann" oder "Einzelhandelskaufmann" genannt wurden und sich auch selbst auf diese Art bezeichneten. In einer Zeit, als die antiautoritäre Erziehung noch nicht erfunden war und Kinder nicht das größere Stück Kuchen am Kaffeetisch bekamen, sondern die Eltern.
Doch das Mädchen, welches im ländlichen Ruhrgebiet, nahe der Stadt Dortmund aufwächst, hat ihren eigenen Kopf. Sie bleibt zwar den hierarchischen Strukturen der Zeit verhaftet, gestaltet sich aber ihre eigenen Freiräume.

Eine Ich-Erzählerin schildert das Erwachsenwerden des Mädchens, das in einer Arbeiter-Großfamilie lebt. Der Vater ist als Bergmann im nahe gelegenen Bergwerk tätig - "Unter Tage" wie der Titel des Buches heißt.
Sehr genau wird der Einblick in den Alltag dieser Familie gewährt, wo das Essen noch auf einem mit Holz und Kohle betriebenen Ofen zubereitet wird und ein Kühlschrank keine Selbstverständlichkeit ist. Das bekannte "Wirtschaftswunder" der 60iger Jahre hat eine Weile gebraucht, bis es sich voll etablieren konnte. Stattdessen sind Besuche im Schwimmbad und eine Tüte mit Bonbons noch ein wirkliches Erlebnis!

Über Kindheit und Jugend spricht die Erzählerin, die sich dabei an ihre eigene Biographie erinnert, mit einem selbstbewussten Ton. Sie gibt die Erlebnisse eines Mädchens preis, das recht bald beginnt, nach verschiedenen Lösungen für die ein oder andere Frage zu suchen - zum Beispiel, wie sie den langen Rock kniekurz bekommt!

Zur Autorin:
Marlotte Neumann ist im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Sie arbeitet seit
20 Jahren in Berlin als niedergelassene Psychotherapeutin, Schriftstellerin und Malerin.

AVIVA-Tipp:
"Unter Tage" ist nicht nur für Erwachsene geschrieben, sondern auch für junge Leute, die sich für das Leben im historischen Deutschland interessieren. In einer Vielzahl von Kapiteln, mal kürzer mal länger, schreibt die Autorin über ihre Protagonistin und lässt ein stilles Bild über das Arbeiterleben der 50iger und 60iger Jahre entstehen.



Rezension vom 16.07.07 im online-magazin aviva-berlin: siehe:
www.aviva-berlin.de/aviva/Buecher.php


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Als ich begann "Unter Tage" zu lesen saß ich am Wochenende bei meinem morgendlichen Tee. Der Tee war schon längst ausgetrunken, Seite 91 angefangen, als eine Freundin mich an einen Termin erinnerte und ich das Buch leider zur Seite legen musste. Ich war so vertieft in die Lektüre, dass ich vermutlich das Buch an diesem Tag zu Ende gelesen hätte. Es war mir von den Situationen sooooo vertraut. Immer wieder entstanden in meinem Kopf Erinnerungen/Bilder die ein "ja, genauso" hervorbrachten. Auch Dinge die in der normalen Erinnerung, wenn man mit Freunden zusammensitzt und über "alte Zeiten" spricht, nicht sofort parat sind. In den nächsten zwei Tagen habe ich mir die Zeit abgeluchst und -leider- war dann das Buch zu Ende. Für mich war "Unter Tage" eine super schöne Erinnerungsreise. Ich hoffe es gibt eine Fortsetzung.
Liebe Marlotte, nochmals vielen lieben Dank für dieses tolle Werk. Doris Borghold




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So wie ihr Vater und die gesamte männliche Nachbarschaft im Ruhrgebiet der 60er Jahre unter Tage geht, um sein und seiner kinderreichen Familie Brot zu verdienen, so erfährt und entdeckt die Ich-Erzählerin ihre unter dem All-Täglichen verdeckte Welt und Persönlichkeit. Es ist eine unverblümte, und dennoch immer wieder poetisch zarte Entdeckungsreise in die Bewusstseinsfindung des Mädchens, das die Autorin beschreibt, und das sie in der ihr eigenen authentischen, humorvollen Stimme und gesprochenen Sprache von den Überraschungen, Absurditäten, Abenteuern und dem “Anders-sein” ihrer Kindheit und Jugendzeit erzählen lässt.
Es ist eine Zeit, die gar nicht so weit zurück liegt, und dennoch mit ihrer biederen Enge und den altertümlichen Regeln, Beschränkungen und Verboten – besonders für Mädchen und Frauen - wie aus dem 19. Jahrhundert zu sein scheint.
Feinfühlig, mit genauer Beobachtungsgabe und ehrlicher Direktheit beschreibt die Autorin eine Reise zum jungen erwachsenen Ich, auf der das Mädchen trotz Eltern und Geschwister überwiegend auf sich allein gestellt ist, und lädt den Leser so auch zu einer Zeitreise in die eigene Kindheit ein. Wie war das nochmal… die kleinen und großen Familienrituale und –geheimnisse, die Entscheidungen und Ereignisse, die Menschen und Situationen, die einen prägend ins Erwachsenwerden begleiteten? Oder auch: was hätte ich oder habe ich in dieser oder jener Situation getan?
Es ist ein leises Buch, eines, das einen in die Stille der Erinnerung und des Nachdenkens führt. “Warum bin ich hier”, “wie will ich leben”, “was heißt es eine Frau zu sein”, “wie ist die Welt ‘da draußen’”, sind die unterschwelligen, zeitlosen Fragen und Themen, die sanft mit dem leichten Fluss der Erzählung mitfließen, ohne sich einem aufzudrängen.
Ja, die Vergangenheit ist vergangen, und dennoch entspringen aus ihr die Wurzeln auf denen unser “Lebensbaum” steht und wächst. Das Gute ist, wir können sie uns – wie hier mal schmunzelnd oder genießerisch, mal kopfschüttelnd oder -nickend – anschauen, und zufrieden sehen wieweit wir sie hinter uns gelassen haben und bei uns selbst im Hier und Jetzt angekommen sind.“

Dr. Anja Walter-Ris, Kunsthistorikerin, Autorin von “Kunst im Dienste der Moderne, Die Geschichte der Galerie Nierendorf Berlin – New York 1920 – 1995”.
Solvang, Kalifornien, 3. Februar 2007.



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