Marlos Kulturbeutel - Verlag für Besonderes



   





"Fremde Haut" Roman



Was erwartet die drei jungen Menschen, die Mitte der 1970er Jahre nach Berlin kommen?


Wie lebt es sich in einer WG, in der die Badezimmertür nicht abgeschlossen wird. Wie kommt man auf der Schule für Erwachsenenbildung klar, wenn es Keinen interessiert, ob man am Unterricht teilnimmt? Was muss an den Kontrollstellen auf der Transitstrecke beachtet werden? Täglich neue Themen und Anforderungen, die im sicheren und vertrauten Leben des Elternhauses nicht aufgetreten sind.

Paula, die sich gerne durch das Leben treiben lässt und die sich durch den Umzug mehr Distanz zu ihrer Mutter erhofft. Die sich mutig den neuen Erfahrungen stellt und am Ende ihr Glück findet.

Die attraktive Britta, die immer alles besser weiß, aber eigentlich nur eine starke Schulter zum Anlehnen sucht. Die eine Schwangerschaft als gute Lösung ansieht und mit ihrem Kind in der Einliegerwohnung ihrer Eltern lebt.

Bertram, der sich so gut mit den Mädchen versteht und es seinem Vater nie recht machen kann.

Der Roman beschreibt auf eine heitere, aber auch tiefsinnge Weise den Weg, den wir Alle gehen müssen, um unser eigenes Leben zu finden. Die Erwartungen der Eltern, können sich dabei wie eine fremde Haut über die eigene Identität legen. Begleiten Sie diese drei Menschen auf dem Weg ihrer Häutung, auf dem Weg zum Erwachsen werden. Es erwartet Sie ein unterhaltsames Lesevergnügen.





Textauszüge   





„Bist Du sicher, dass ich dich hier absetzen soll? fragte Rolf, der bereits die Wagentür geöffnet hatte und mit steif gewordenen Beinen aus dem Auto stieg.
Paula überprüfte noch einmal die Anschrift, obwohl sie bereits wusste, dass dies das richtige Haus war, in dem sie in einer WG das Durchgangszimmer beziehen wollte. Schließlich war es erst drei Monate her, dass sie hier ein Wochenende verbracht hatte. Sie versuchte den düsteren Eindruck von sich abzuschütteln, die Unordnung damit zu entschuldigen, dass sie durch das dunkle Novemberwetter hervorgerufen wurde. Es war nasskalt und nieselte und sie fühlte sich verloren, zwischen der Stadt, der sie gerade den Rücken gekehrt hatte und der neuen, von der sie nur wusste, dass es hier keine Sperrstunde gab, denn sie hatte hier bei ihrem ersten und einzigen Besuch zwei Nächte durchgemacht.
Rolf hatte in der Zwischenzeit das Gepäck, das aus zwei großen Bananenkisten, einem Plattenspieler und einem kleinen Bücherregal bestand, auf den nassen Bürgersteig zwischen den Sperrmüll gestellt. Bei dem schlechten Licht konnte kaum auseinander gehalten werden, was die wenigen Habseligkeiten von Paula waren und was Andere nicht mehr für ihr Leben benötigten. Der Nieselregen begann langsam die Kisten aufzuweichen und sie machte sich um ihren Plattenspieler Sorgen.
„Warum stellst Du meine Sachen hier in den Regen zwischen diesen ganzen Müll?“ fuhr sie ihn ärgerlich an.
„Und warum ziehst du einfach ohne ein Wort zu sagen nach Berlin?“ erwiderte Rolf ähnlich aufgebracht.
Sie drehte sich um, stieß wie zufällig an das Regal, das in eine größere Pfütze fiel und ihr so einen Grund verschaffte, sich dieses und den Plattenspieler zu schnappen, wütend auf den großen Hauseingang zuzugehen, um in dessen Dunkelheit zu verschwinden. Die Wohnungstür lag gleich rechts ein paar Stufen hoch, und oben angekommen, war ihr Ärger einem Anflug von Schüchternheit gewichen. Bevor sie noch klingeln konnte, hatte Rolf die beiden Kartons unterhalb der Treppe abgestellt und sich mit dem Hinweis, dass er heute noch zurückfahren müsse, verabschiedet. Das Licht ging aus und sie wünschte in diesem Moment, sich nie auf diese Fahrt begeben zu haben.

Während sie noch nach dem Lichtschalter suchte, öffnete sich die Tür und Britta stand im Eingang.

„Habe ich doch die Stimme von Rolf richtig erkannt“ meinte sie und sah sich suchend nach ihm um.

Paula, die sich mehr Aufmerksamkeit für ihre Person gewünscht hätte, zeigte auf die beiden Kisten und ging an ihr vorbei in die düstere Kreuzberger Wohnung. Auch hier kein freundlicher Empfang, wie sie es erhofft hatte. Die WG-Bewohner machten um eine neue Mitbewohnerin kein großes Aufsehen, da hier ständig jemand ein oder auszog, so wie Britta, die sich von ihrer Dienststelle nach Berlin hatte versetzen las3 sen. Rena fütterte ihre kleine Tochter und nickte ihr dabei kurz zu. Bertram kam verschlafen aus dem Zimmer, dass er gemeinsam mit Britta bewohnte, gähnte lang und ausgiebig und verschwand im Badezimmer.
Paula stand mit ihrem Plattenspieler in der Hand mitten im Durchgangszimmer, das auch als Gemeinschaftzimmer genutzt wurde und nun ihr Raum sein sollte. Ihr Magen krampfte sich bei der Vorstellung zusammen, dass sie keine Tür schließen konnte, wenn sie ihre Ruhe haben wollte und sie stellte den Plattenspieler vorsichtig in einer Ecke auf dem Boden ab. Britta brachte die beiden Kartons mit ihrer ganzen Habe herein und machte ein bisschen Platz neben dem Kachelofen. Das kleine Regal nahm Bertram mit in sein Zimmer, weil es dort besser aufgehoben sei. Rena, der das Schweigen von Paula als erstes auffiel, schlug vor, gemeinsam in die Eckkneipe zu gehen, um dort eine Kleinigkeit zu essen und eine Runde Tischfußball zu spielen. Paula war sich nicht sicher, ob sie auf diese Weise in die Gemeinschaft aufgenommen werden wollte, aber es war immer noch besser, als die Gleichgültigkeit von Britta, die sich so verhielt, als würde sie schon Jahre in Berlin und in dieser WG leben.




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